Freitag, August 18, 2017

Demokratie leichtgemacht

Dieses Jahr haben der Hübsche und ich ja beschlossen, dass es Zeit ist, unsere Larifari-Haltung zum Wählen (in Deutschland, in der Schweiz dürfen wir ja nicht) aufzugeben und bei der Bundestagswahl anzutreten unsere Stimme abzugeben.
Wir haben also Anfang April den Antrag auf Eintrag ins Wählerverzeichnis abgeschickt, der Hübsche ans Kreisverwaltungsreferat in München, ich an das kleine Dorf in Oberbayern, das mein letzter gemeldeter Wohnsitz in Deutschland war (aus Gründen, alles sehr kompliziert).
Nach ein paar Wochen bekam der Hübsche einen umweltgrauen Umschlag vom Kreisverwaltungsreferat mit "Herzlichen Dank für den Antrag, die Unterlagen kommen dann im August."


Ich bekam: nix.


Ich habe also bei der Gemeinde angerufen (ich kriege schon Flashbacks in Grundschulzeiten, wo wir beim Bürgermeistergeburtstag Mundartgedichte aufsagen mussten,beim Gemeindewappen auf der Homepage, das ich vermutlich in den richtigen Farben und mit der richtigen Anzahl Nupsis am Mühlrad nachts um drei im Halbschlaf noch malen könnte), wurde einmal auf den nächsten Tag vertröstet und am nächsten Tag dann bekam ich die Aussage: "Ah, ja, mhmmm, das ist suuuuperviel Papier, das da liegt, ich schau da nachher mal durch und wenn ich merke, dass irgendwas nicht passt, dann melde ich mich bei Ihnen."
Joah. Das ist ja für mich Kontrolletti ja eher so eine mittelhilfreiche Aussage, weil kein Anruf zwei Sachen heissen kann: Entweder war alles in Ordnung oder sie hat das Nachschauen und alles andere einfach vergessen. Kann ja mal passieren, bei suuuuuperviel Papier.
Aber ich habe "work on your trust issues" als development goal und so habe ich gesagt: "Super, danke" und nicht nochmal angerufen.


Heute hat der Hübsche wieder einen umweltgrauen Umschlag vom Kreisverwaltungsreferat im Briefkasten: "Inhalt: Wahlunterlagen"
Ich habe: nix.
Und "trust in other people's abilities" ist ja schön und gut, aber es geht ja um meine Stimme, die in dem kleinen Kaff gehen dann am Wahlsonntag nämlich einfach in die Wahlkabine in dem Klassenzimmer der 2. Klasse, wo sie selber vor 20 Jahren noch gesessen sind und machen da dann ihr Kreuzchen und ich schaue in die Röhre.
Also habe ich nochmal die Homepage mit dem Wappen aufgemacht, die Nummer rausgesucht, angerufen und .... tadaaa, es gibt schon nicht mal mehr einen Anrufbeantworter, der einem sagt, dass niemand da ist, geschweige denn, wann wieder jemand da ware. Dafür hat die Homepage ein Kontaktformular, das ich direkt ausgefüllt habe. Mit der Bitte um Rückruf und jetzt harre ich also der Dinge. (Und ich muss sagen: ich habe kein gutes Gefühl. Und wenn ich da recht habe, dann wirft mich das developmentmässig um Jahre zurück.)

Kommentare:

Dorothee hat gesagt…

Ich warte auch noch. Habe aber im Juni ein Bestätigungsmail bekommen, dass mein Antrag in Bonn eingegangen sei. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Wahlunterlagen in den nächsten Tagen kommen. Die Kollegin vom Niederrhein hatte sie auch schon gestern im Briefkasten.

kaltmamsell hat gesagt…

Trust issues?! Ist das "Menschenkenntnis" auf Achtsamisch?

Frau Brüllen hat gesagt…

@kaltmamsell: ich sags mal so, das ist "boah, bis ihr den Finger aus dem Allerwertesten gekriegt habt, hab ich das dreimal selber gemacht" in HR-Sprech (Ich mag "achtsamisch" :-))

Queergedacht.de hat gesagt…

Vielleicht mal die Kandidaten für die Wahl anschreiben.
Ich habe hier auch mal eine Aktion gestartet und außer der örtlichen Verwaltung den Text der Mail auch an die Parteien der Ratsversammlung geschickt. Hat funktioniert!