Donnerstag, April 27, 2017

En Guete!

Als ich gestern kurz unschlüssig war, was ich denn bloggen sollte und die Frage auf Twitter stellte (während der eintrudelnden Antworten schrieb ich den gestrigen Post, also hat der nix mit den Themenideen zu tun), kam neben vielen skurrilen Ideen („Eiersalat“? Really?) auch die Frage, welche Speisen wir vor unserem Umzug in die Schweiz noch nicht kannten und jetzt halt schon.
Meine reflexhafte erste Antwort wäre gewesen: „ääääh, nix? So besonders ist das Essen hier auch nicht und Raclette und Käsefondue kannte ich vorher auch schon.“

Dann aber wurden Älplermagronen und Chäschüechli in den Ring geworfen, ich musste an den Sonntagszopf denken und dann wurde mir klar: mein Denkfehler war: nicht das Essen in der Schweiz ist so unspeziell, sondern wir sind schon so lange da, dass wir uns kaum noch an die Zeit erinnern, in der Gerichte wie Fleischvogel, Tessiner Bratwurstschnecke, Fotzelschnitte, Ziebeliwaie etc. böhmische Dörfer für uns waren.

Ich denke, man kann die Schweizer Spezialitäten ganz gut so charaktierisieren: wie in Österreich und Bayern sind die typischen Gerichte darauf ausgelegt, relativ günstig mit dem, was man hat, satt zu machen. Sehr satt. Für sehr, sehr lang. Da ist viel Milch, Sahne, Käse, Butter, Fleisch im Spiel.

Ich will das gar nicht werten, das ist denke ich landesunabhängig mit der klassichen „Hausmacherkost“ fast überall so. Man zelebriert es oder findet „zeitgemässere Interpretationen“ davon. Bevor ich aber zu foodphilosophisch werde, mal Butter bei dei Fische:

Die Standarddinge, die einem zum Thema Schweiz und Essen einfallen, sind natürlich Schokolade und Käse. Ich muss gestehen, ich bin kein besonders grosser Schokoladenfan, aber wenn ich Schokolade esse, dann muss es echt gute sein. In der Schweiz habe ich gelernt, dass es noch mindestens einen Level jenseits von Lindt gibt. Wenn Sie mal in der Schweiz unterwegs sind, denken Sie an Cailler, Sprüngli, Läderach und kleinere lokale Confiserien.

In Sachen Käse fallen einem ja schnell Gruyere, Emmentaler und Appenzeller ein, wobei ich persönlich Emmentaler halt so unglaublich fad finde.... Wir leben hier im Dreiländereck zwischen Deutschland, Frankreich und der Schweiz natürlich im Käsehimmel, da findet sich immer was. Was ich besonders mag, sind neben Käsefondue (klassisch Moitie-Moitie, auf gar keinen Fall das fertige von Gerber, und immer mit Weisswein und Kirsch) der Mont dÔr, aus dem man einen Keil rausschneidet, das Loch mit Weisswein füllt und dann im Ofen schmilzt (und nein, das ist nicht das gleiche wie Ofenkäse) und der Tete de Moine, von dem man mit dem entsprechen den Hobel, der Girolle, die typischen Röschen ab..... dingst. Ach, und Sbrinz in hauchdünnen Rollen!

Die restlichen Gerüchte (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) liste ich jetzt einfach mal so auf:


Älplermagronen: das sind Nudeln (bzw Teigwaren, weil Nudeln heissen in der Schweiz nur Bandnudeln), die mit Kartoffelwürfeln in einer Sahnemilchmischung und Käse gegart/überbacken werden. Serviert werden sie klassisch mit Röstzwiebeln und Apfelmus (das ich dankend ablehne, die in der Schweiz aufgewachsenen Kinder können es nur mit Apfelmus essen).

Rösti: der Klassiker aus entweder rohen oder gekochten („Gschwellti“) Kartoffeln, die dann eben geraffelt und gebraten werden (gröber als Reiberdatschi-Raspeln). Es gibt zig Abwandlungen, alle machen unglaublich satt und müde, ich versuche sie also in der Kantine zu vermeiden („Röstipizza“, „Fricktaler Gemüserösti“ etc.....)

Eglifilets:Das sind kleine Fischfilets vom Egli (Flussbarsch), die im Bierteig ausgebacken werden und mit Tartarsauce und entweder Salzkartoffeln oder halt grad Pommes serviert werden. Lecker, aber halt frittiert. (die klassischen Fischstäbchen sind hier eher kürzer und heissen Fischknusperli)


Fotzelschnitten:heissen nur lustig, sind aber eigentlich halt auch nur arme Ritter.


Chässchnittensind mit Weisswein getränkte Brotschnitten, die mit einer Käsemischung überbacken werden (dafür wird auch in der Kantine die Nullpromille-Regel ignoriert).


Fleischvogel ist übrigens nicht, wie ich mal dachte, ein besonders fleischiges Hühnchen (Poulet, Entschuldigung), sondern eine Roulade.

Wähen: Die gibt es sowohl in süss als auch salzig, das Prinzip ist aber das gleiche: man hat einen neutralen Teig (kein Mürbteig, kein Blätterteig, man kann ihn fertig ausgerollt sogar im Supermarkt kaufen, da heisst er „Kuchenteig“), den man in einer runden Form mit entweder Obst (ich liebe sie mit Rhabarber, Aprikosen oder Zwetschgen) oder Gemüse oder eine Käsemischung oder Zwiebeln belegt, dann kommt ein reichhaltiger Guss aus Eiern und Sahne (und oder Milch) drüber, das ganze kommt in den Ofen, fertig. Es ist Quiche-ähnlich, aber halt nicht ganz. Kleine Käsewähen (man sagt übrigens nicht „Wähe“, sondern „Waie“) sind dann „Chäschüechli“, ein unverzichtbarer Bestandteil vom warmen Teil von Aperobuffets (was mei mir dazu führt, dass sie mir praktisch zu den Ohren rauskommen :-)). Wie auch „Wurstweggen“, was nicht schnöde Wurstsemmeln sind, sondern eher Würschtl im Schlafrock, wobei das Würschtl kein Wienerli ist, sondern so eine Art Bratwurscht ohne Haut.


Das war jetzt ja (ohne den Wurscht-Käs—Exkurs) eine wunderbare Überleitung zum Süssen!


DAS klassische Dessert sind vermutlich Vermicelles. Das ist so eine pappsüsse, unglaubich sättigende Maronenmasse, die durch eine Spaghettieeis – Vermicelles-Presse gedrückt wird, so dass es aussieht, wie ein Haufen mattbrauner Würmer. Die werden serviert mit Schlagrahm und zerbröckelten Meringues. Mit der Kombination (und auch den Einzelkomponenten) kann man mich jagen, ich erwähne sie nur der Vollständigkeit halber.


Ansonsten heisst Eis hier Glace (und zwar „die Glace“ und man spricht das „e“ mit). Und das Schweizer Mövenpick ist ein anderes Mövenpick als das deutsch.



Weihnachtsplätzchen sind ja sowieso sehr lokal und ich glaube, auch in Deutschland hat jede Region eigene Sorten.
Die Standard-Plätzchen bzw. „Gutzi“ oder „Guetsli“ oder „Chrömli“ hier sind Mailänderli, Brunsli, Zimtsterne, Chräbeli, Anisbrötli und Totenbeinli (die ich natürlich allein aufgrund des Namens super finde).


Zu den sonstigen „interessanten“ Lebensmitteln gehören neben dem von Hans Rudolf Merz unsterblich gemachten Bündnerfleisch (lecker) natürlich Rivella, ein Getränk auf der Basis von Milchserum (aus den Zeiten, wo echt nix weggeschmissen wurde), mittlerweile gibt es neben dem klassischen Rivella rot nicht nur blau (zuckerfrei) und grün (mit Grüntee) und gelb (Sojairgendwas), sondern auch abenteuerliche Dinge wie Rhabarber und Pfirsich und sowas. Vom Geschmack her ein bissche säuerlich, erinnert an Bionade, an Almdudler und gehört hier so so sehr zum Standard, dass man zB im Krankenhaus nur zwischen Wasser und Rivella als Getränk zum Essen wählen kann.


Am Anfang verwunderlich fand ich, dass Pferd als Fleischsorte überall ganz normal verfügbar ist, wie man in D SchweinRindhühnchen kennt.



Was ich in der Schweiz übrigens bisher noch nicht gefunden habe (aber ich habe seit ungefähr 10 Jahre auch nicht mehr gesucht, weil ich nach dem letzten Schweinebratennotfall die Knödel halt immer in Deutschland besorge), sind ... Knödel. Und gescheites Bier (also: in der Schweiz gebrautes. Die internationalen, auch bayerischen Standardsorten kriegt man hier natürlich schon). Aber da spricht natürlich mein bayerisch geprägter Gaumen, das mögen andere Leute anders sehen.

So, jetzt habe ich Hunger :-).

Mittwoch, April 26, 2017

Ereignisse und Schatten

Mir war ja von vornherein klar, dass dieses Jahr ein anspruchsvolles Arbeitsjahr wird. Dank der aus Gründen zeitlich schon über zwei Jahre im Voraus detailliert festgelegten Meilensteine ist auch klar, dass es für mich besonders ab Herbst echt spannend wird. Dass des dafür viel Vorbereitung braucht, ist auch klar und ab Ende des Jahres können wir nix mehr dran ändern und entweder alles ist super und wir können uns entspannt zurücklegen, durchschnaufen, Silvester einzweidrei Flaschen Champagner auf ein geglücktes Projekt trinken und in den Folgemonaten den Kollegen aus der Galenik zusehen, wie sie ihren Teil erledigen und uns allen die Daumen drücken, dass auch alles so klappt, wie geplant, weil ändern können wir dann nix mehr.
Dass dieses Projekt mittlerweile firmenpolitisch für so viel Aufregung und Wirbel sorgt, hat mir erst Angst gemacht, mittlerweile sehe ich es aber so: wir hätten es eh so gut und super gemacht, wie uns nur irgendwie möglich und niemand hätte es gemerkt und am Ende, wenn alles gut gegangen ware, hätten wir eine "Congratulations to the team"-Mail verschickt, fertig.
Genaus warden wir jetzt arbeiten, dazu lernen wir politisches Navigieren und sind mittlerweile in der Lage, in jeder Situation eine dem Ansprechpartner angepasste Rede zum Thema "Was läuft bei Euch da eigentlich Krasses? Ich habe die wildesten Geschichten gehört" zu halten, aufzuzeigen, wo Fehler passiert sind und den Aktionsplan zur Behebung derselben und der Massnahmen, dass so etwas nicht wieder passiert, vorzustellen.
Hat auch was. Wenigstens sehen sehr wichtige Leute jetzt mal unsere gute Arbeit (und wenn es in die Hose geht, dann wenigstens vor hochkarätigem Publikum) und man darf in stillen Momenten davon träumen, dass wir dass alles super gut hinkriegen, die Begeisterung darüber so gross ist wie die Aufregung jetzt und es könnte sein, dass meine  Kollegin und ich heute über unsere Einmarschmusik zur Medaillenverleihung philosophiert haben, bevor wir ganz schnell gesagt haben, dass das natürlich Quatsch ist. Leider.

Dienstag, April 25, 2017

Anfang vom Ende

Heute haben wir die Einladung zum Elternabend für Little Q.s Klassenstufe bekommen. Ein sehr spannender, weil es v.a. um den Übertritt nach dem nächsten Schuljahr gehen wird.
Das ist ja in der Schweiz anders als in Deutschland, da gehen man bis zur 6. Klasse alle gemeinsam in die Primarschule und danach wird aufgeteilt. Ich weiss, ganz viele finden das grossartig, aber ich muss sagen, ehrlich gesagt ware mir eine Differenzierung nach der 4. Klasse lieber gewesen. Aber: hattitatiwari, darum geht's jetzt gar nicht :-).
Ich bin schon sehr gespannt auf die Informationen, was ich mir bisher so zusammengereimt habe, ist: der Entscheid, auf welche weiterführende Schule ein Kind gehen kann, wird anhand des Notenschnitts von der Klassenlehrperson bestimmt. Die Eltern haben zwar die Möglichkeit, Einspruch einzulegen, aber der Entscheid liegt bei der Schule. Auch die Zuteilung, in welcher Schule des entsprechenden Typs man landet, liegt in den Händen des Schuldepartements, was in meinen Augen das Ganze viel einfacher macht. Wir werden sehen, wieviel ich davon falsch verstanden habe und wie es tatsächlich laufen wird.
Ich weiss noch, ich habe mich damals so sehr aufs Gymnasium gefreut! Die Entscheidung, auf welches der drei in der Nachbarstadt ich gehen würde, war eigentlich sehr schnell getroffen: meine Eltern fanden Latein als Anfangssprache super (ich auch, ich war damals im Arcäologiefieber, finde ich auch immer noch gut), damit fiel das neusprachlich-naturwissenschaftliche raus, von Musik/Kunst als Schwerpunkt hielten sie (besonders im Hinblick darauf, dass das auf Kosten einer dritten Fremdsprache gehen würde) nicht besonders viel und so bin ich auf dem neusprachlich-humanistischen Gymnasium gelandet, das noch dazu am nächsten am Bahnhof lag und auf dem die beiden Nachbarsmädchen auch waren. Ich weiss noch, wie ich mit meinem Vater dann in den Sommerferien Zugfahren geübt habe: damals gab es bei uns im Dorf keinen richtigen Bahnsteig, um in den Zug zu kommen, der in die Stadt fuhr, musste man über die Gleise der Gegenrichtung laufen, auf einen Kieswall klettern und hoffen, dass an der Tür, in die man reinwollte, auch jemand aussstieg, sonst ware es für eine 9 jährige schwierig geworden, zum Griff hochzukommen. (In der ersten Woche habe ich schon von den grösseren Fahrschülern gelernt, wie und wann man den roten Hebel runterhalten muss, damit man die Tür auch während voller Fahrt aufmachen kann). Meine Mutter hat mich also zum Bahnhof im Dorf begleitet, mein Vater ist mit dem Auto in die Stadt vorgefahren und ich bin dann zwischen den beiden mit dem Zug hin- und hergefahren. Ich habe gelernt, wie und wo ich rausfinde, welcher Zug auf welchem Gleis abfährt (in der Stadt gab es ja mehr als zwei), welche Züge auch bei uns im Dorf halten und wie früh ich aus dem Haus gehen muss, um noch über die Schranke zu kommen. Ungefähr 5 Minuten vor dem Morgenzug in die Schule fuhr nämlich ein Güterzug vorbei und der Bahnhofsvorsteher hatte keine Lust, danach die Schranke nochmal hochzukurbeln. Und so musste man immer schon 10 MInuten vor Zugabfahrt am Bahnsteig stehen, weil man sonst vor geschlossener Schranke wartend der Einfahrt und Abfahrt des eigenen Zuges hätte zuschauen können. Man  hätte natürlich auch dem von vielen knapp kommenden Pendlerfüssen ausgetretenen Pfad entlang der Friedhofsmauer und dann durchs Gestrüpp und bei der toten Katze (die lag dort meine gesamte Gymnasialzeit, mumifiziert durch Flugrost) direkt über die Gleise folgen können, aber das habe ich mich die ganzen 8 Jahre Gymnasium nicht getraut.


Wenn ich mich an diese Geschichten erinnere, wird mir ein bisschen mulmig, welchen Quatsch Little Q. auf dem Weg in die Nachbarsstadt dann wohl anstellen wird, aber er ist ja nicht mehr 9, sondern dann schon 13. Total vernünftig also.

Montag, April 24, 2017

Montag

Um den mittelspannenden Bogen als allererstes zu schliessen: es waren Ringelröteln. Die Kinderärztin hat uns heute abend noch angerufen und die Diagnose anhand von Laborwerten bestätigt. Das ist jetzt rein wissenschaftlich interessant (ich habe so eine Ahnung, dass es dem Hübschen und mir deshalb die Woche vorher auch so mies ging. Vermutlich hat unser Immunsystem die lang verschütteten Syntheseanleitungen für die Paroviren-Antikörper ausgraben müssen.)

Sonst: ich kämpfe hart, um an meiner vor zwei Wochen gezogenen Lehre festzuhalten: Arbeit ist Arbeit und irgendwann ist Schluss. Schwierig, wenn man das Gefühl hat, dass an allen Ecken und Enden Brände (auch wenn es manchmal nur Strohfeuer sind) zu löschen sind und einem dann noch beiläufig im Flur mitgeteilt wurde, wie hoch hinauf das eine Projekt im Moment Wellen schläft und verfolgt wird. Ich sags mal so: bei uns gehts nicht weiter rauf. Ja nu.

Ansonsten freue ich mich sehr, dass mein Vater und seine Frau uns am Wochenende besuchen kommen (ein langes Wochende noch dazu, zumindest für die Kinder und mich, der Hübsche muss ja arbeiten am Montag. Ein Hoch auf die kantonal unterschiedlichen Feiertage, bei mir ist der 1. November keiner und ein ganz grosses Hoch auf die Schule, die einfach alle Feiertage der angrenzenden Kantone einfach mal freimacht.). Ich bin nur noch am Überlegen, was wir so machen können, die beiden kommen nämlich ohne Auto und alle zusammen passen wir in unsere Wunderkiste nicht rein. Ausser wir setzen Little L. in den Frunk, aber das will ja auch keiner.

Sonntag, April 23, 2017

Sunday Funday

Little L. ist wieder punktefrei, rein der Vollständigkeit halber bin ich immer noch gespannt auf das Testresultat morgen nachmittag.

Ansonsten ein typischer Sonntag mit nix vor hier. Die beginnen immer mit grosser Herausforderung für mich, weil der Rest der Familie irre gut im "Chill mal" ist. Das geht bei mir nach dem Aufwachen normal etwa drei Minuten, mit Kaffee und Internet vielleicht eine halbe Stunde, dann ist der Kaffee und Timeline und Feedreader leer, dann will ich zackizacki frühstücken. Die Familie: chillaxed. Little Q. schläft (ich habe ihn heute um viertel nach 10 geweckt, weil ich dachte, er wäre tot.), der Hübsche schaut UFC-Kämpfe, Little Q. hat schon eine Banane gegessen, zwei Hörspiele und ein ganzes Coldplay-Album gehört und seinem Meow-Kuscheltier mit "Urmel und die Schweinefee" Lesen beigebracht.
Ich ziehe mich an, schminke mich, wasche meine Schminkpinsel der letzten Woche, rufe ein paar Mal "So, jetzt aber, ihr Schätzchen, frühhhhhstücken!", die Familie antwortet: "Glahaaaaaaich" (oder chrchrchr ---> Q.). Ich füttere die Katze, räume das Bad saugroboterbereit und starte ihn. Unten rufe ich "Ich frühstücke jetzt!", keiner reagiert, also decke ich den Tisch, koche mir eine Kanne Tee, schneide Obst für Little L, mein Granola und den Smoothie für Q. und den Hübschen, brate für Little L. den "Eierlappen", das ist eine Sonntagstradition: das verquirlte Ei, das vom Butterzopfbepinseln am Vorabend übrig ist, wird in etwas Butter zu einem ... Eierlappen gebraten, den L. dann auf einem Stück von ebendiesem Butterzopf verdrückt. Ich stelle Hummus, Marmelade, Honig, Butter und Senf auf den Tisch, rufe nach oben, immerhin bewegt sich was (vermutlich lockt der Eierlappengeruch), ich bin grummeliger, als ich es lieber wäre, weil wir ja eigentlich echt nix vorhaben, und ich mich ja nicht anstellen müsste, ich könnte ja gegen die schlechte Laune schon ein Stück Zopf essen, aber ich mag es doch, wenn wir alle gemeinsam frühstücken, aber ALLE chillen ja.
Ich rühre den Teig für den ersten Rhabarberkuchen des Jahres an und schiebe ihn in den Ofen. Die Geräusche der Familie nähern sich, der Staubsauger ist fertig, ich setze ihn in unser Schlafzimmer. Der Hübsche ist immerhin beim allerletzten UFC-Kampf, "Nur noch ein paar Minuten, Schatz!", da sollte ihn das Sauggeräusch immerhin von einem Best-of abhalten. Little Q. ist aufgewacht, ins Elternbett zu Katze und Hübschem getorkelt und "ah, cool, Boxen und Kuscheln, das ist so gechillt..."
Ich koche ungefähr eine Tonne Sushireis für unser geplantes Abendessen und kurz bevor der Rhabarberkuchen fertig ist, sind alle am Tisch versammelt und meinen "Oh, so schön, so ein gechilltes Sonntagsfrühstück"
Ich bestreiche mir mein erstes Stück Zopf mit Erdbeermarmelade und nachdem ich gierig die ersten Bissen runtergeschluckt habe, legt sich der innere Grant und ich denke mir: "Ja, schon."

Samstag, April 22, 2017

Ringel, ringel...

Der Tag heute startete etwas anders als geplant, nämlich durch das Geräusch einer Steinsäge vor unserem offenen Schlafzimmerfenster um 7:30h. Jajajaja, ich habe gegoogelt, Nachtruhe ist in der Schweiz anscheinend so ca zwischen 6 und 7 vorbei, allerdings finde ich 7:30h am Samstag für dieses durch Mark und Bein gehende Geräusch halt schon nur so mittel. Nun ja. Das Ganze scheint ein grösseres Projekt zu werden, gestern wurde das ganze Gras aus dem Garten entfernt und Tonnen an Stein angeliefert, der jetzt zurechtgeschnitten wird. Den ganzen Tag. Voll schön für die Nachbarn, dass es nicht mehr kalt ist, sondern total schön angenehm zum draussen sein. Halt nicht mehr für die, die keine Steine schneiden. Nun ja, gehen wir heute halt noch nach Basel, bummeln gehen.


Das frühe Aufstehen hatte auch sein Gutes, so konnten wir Little L.s Ausschlag begutachten und dann direkt einen Termin bei unserer Kinderarztpraxis machen (die haben jeden Samstag morgen offen für Fälle, die sich nicht bis Montag schieben lassen. Und wir hatten gestern abgemacht, dass wir kommen können, wenn es kein "Er hatte einen Virus und das ist jetzt die Nachwirkung"-Ausschlag war.), er war nämlich am ganzen Körper rot mit wenigen weissen Flecken und es began auch zu jucken.



Beim Arzt dann wurde mir kurz ein wenig mulmig, als in der Differentialdiagnose neben "War er viel in der Sonne, haben Sie eine neue Sonnencreme, Weichspüler, Bodylotion?" auch das Wort "Masern" fiel. Aber: bei aller Awareness für potentielles Impfversagen: dass ein total durchgeimpftes Kind ohne bekannt Masernfälle in der Gegend spontan Masern bekommt, es ihm aber total gut geht dabei bis auf den roten Ausschlag, das ware ja schon arg unwahrscheinlich. Hufgetrappel, Zebras und so. Was aber durchaus sein kann, sind Ringelröteln, auch wenn er gar nicht viel ringelt, sondern eher ganz knallrot ist. Wir warden sehen, was das Blutergebnis am Montag aussagt. Immerhin ist er nullkommanull eingeschränkt, wenn es eine allergische Reaktion ist, ist er eh nicht anteckend, wenn es Ringelröteln sind, ab dem Ausschlag auch nicht mehr. Einem Schulstart am Montag (und ihm noch viel wichtiger: dem ersten Turntraining nach den Ferien) steht also nichts im Weg, gegen das Jucken bekommt er Feniallerg. Und alle wollen mit ihm kuscheln, weil er so schön warme Haut hat :-).


Am Nachmittag machen wir uns also auf den Weg nach Basel und wie es so ist: wenn man absolut gar nichts vorhat ausser kein Steinsägengeräusch hören, dann passieren die coolsten Dinge. Während wir auf dem Barfüsserplatz stehen und Little L. beim Melken der Kuhfigur, die dort wegen des "Tag der Schweizer Milch" steht, zuschauen, sehen wir, dass in der Barfüsserkirche eine Ausstellung ist, die mich schon lang interessiert. (Also: ich wusste von dieser Ausstellung schon eine Zeitlang und wollte sie immer schon anschauen, war aber immer am falschen Museum, weil ich aus irgendeinem Grund die Barfüsserkirche überhaupt nicht auf dem Radar habe).


Und während Little. L. so vor sich hin melkt, fragen wir schnell, was der Eintritt kostet und: juhuuu, die letzte Stunde von 16-17h ist auch umsonst. Also stöbern wir noch schnell durch den lokalen Buchladen (Little Q. fachsimpelt mit der Buchhändlerin über die Beschaffungsmöglichkeiten von den original Lemony-Snicket-Bänden. Es scheint schwierig zu sein. Falls jemand also gebrauchte Exemplare überhat: wir wären sehr dankbar dafür!) und kehren um 16:00h zurück. Die Ausstellung ist unglaublich gut gemacht. Der Hübsche und ich finden sie aus Ausbildungs- und Jobgründen eh ganz grossartig.


Q. ist begeistert, diskutiert das Produktionsbaumodell mit mir (er sagt doch glatt: "Woher weisst Du, was das alles ist, Mami? Das ist ja echt cool!") und beantwortet alle Meinungsfragen.


 Die Auswertung am Schluss ist interessant und einerseits beängstigend, andererseits sicher dem BigPharma-Standort und dem damit verbundenen Publikum geschuldet.







 L. findet das alles nur so mittelspannend, aber neben der zeitlich begrenzten Ausstellung gibt es auch die Ausstellung des Münsterschatzes und das ist mal Schatzkammer nach L.s Geschmack, nicht nur "schimmlige Decken" wie in der Wiener Hofburg :-).

Um fünf verlassen wir total begeistert die Ausstellung und sind damit gerade rechtzeitig für die "3 für 2"-Aktion bei "Cupcake Affair". Der Hübsche kennt den Laden als einziger noch nicht, ist aber angemessen beeindruckt. Die Kinder und ich sind alte Hasen (der Laden liegt ein paar Schritte von meiner Gyn-Praxis entfernt und ich habe mir vor einiger Zeit angewöhnt, mir die Besuche dort mit einem Cupcake danach zu versüssen, mit den Kids war ich auch irgendwann mal da) und wählen praktisch blind "Peanut butter chocolate", "red velvet", "das dings mit den Smarties" und "chai salted caramel".


So gestärkt sind wir dann eigentlich bereit, die Steinsäge daheim zu ignorieren, aber: bei Regen scheint es nur noch halb so viel Spass machen, Steine zu sägen, es ist himmlische Ruhe. Im Kühlschrank mariniert seit gestern abend das "Butter chicken" und sorgt für Aufwärmung von innen. (beide Erwachsenen und das grosse Kind lieben es, das kleine sagt immerhin: "Man stirbt nicht dran.")


So war das dann trotz blödem Start ein wunderbarer Tag.

Freitag, April 21, 2017

Frei-Tag

Die Kinder hatten ja heute letzten Osterferientag und mit Blick auf mein Überstunden- und Urlaubszeitkonto (mit 3 Wochen Sommerurlaub abgezogen habe ich immerhin NUR noch 54h Urlaub aus dem letzten Jahr und 120 Überstunden oder so) und die freundlichen Hinweise meines Chefs ("MACH WAS!") im Hinterkopf habe ich den heutigen eigentlichen Homeoffice-Freitag mit Arbeitsbeginn um 6:00h und viel "jajaja, ich komm gleich, ich muss nur noch schnell" zu einem Urlaubstag erklärt (46h Resturlaub aus 2016!) und erstmal ausgeschlafen*, Kaffeegetrunken, mit Little L. gekuschelt, beim Warten, dass die Kinder zum Frühstücken fertig sind, meinen Unterwäschenstrumpfhosenhalstücherschrank ausgemistet und sortiert (ich habe genug Socken. Und auch sonst alles genug. Und die Quetschunterwäsche habe ich auch wieder gefunden und bei den Unterhosen einsortiert, für den Fall dass ich mal wieder suchen sollte. Und der schwarze schmale Rock mit dem silbernen Gürtel war runtergerutscht und hängt jetzt wieder. Er ist NICHT im Altkleidersack und passst noch super). Nach dem Frühstück habe ich beim Warten auf "Die zwei fehlenden Pakete kommen beim Hermesladen an" und "Die Kinder sind losgehfertig" ein bisschen gelesen, Wäsche abgehängt, aufgehängt, ein Arbeitstelefonat weggedrückt (und dann doch die Combox-Nachricht abgehört), einer Kollegin via Hangouts erklärt, das ich ihr am Montag gern weiterhelfe, Abfall weggebracht.
Dann war es auch schon mittags und wir sind erst zum Hermesladen gefahren (ich hatte neben zwei Limangopaketen mit Sandalen, Badeschaum und einer Ersatzlieferung in einer Nummer kleiner für mich mit Hermesvollmacht, ich bin ja kein Anfänger, ein Amazon-Paket für den Hübschen abzuholen. Mit Profi-Autowaschzeugt. Der Hübsche hatte biem Winterreifienaufziehenundminimängelbeseitigungstermin in der Teslawerkstatt nämlich gefragt, wo die Telseristas der Hood ihre Autos waschen lassen würden. Und dafür entgeisterte Blicke und "Unsere Kunden waschen ihr Auto von Hand" geerntet. Und so haben wir bzw der Hübsche, weil trotz equalcare ist Autocare jenseits von einmal Waschstrasse/Jahr eher sein Job sich kundig gemacht, wie "man" von Hand wäscht und das Paket mit Zeug war also heute da. Ich sah es schon direkt im Regal und erwartete einen Homerun, aber ach, keiner der 3 Barcodes auf dem Paket konnte gelesen warden und so wurde meine Supvervollmacht einfach in eine Kiste gelegt und ich bekam das Putzpaket ohne Unterschrift. Hmmmmmmm), dann Kühlschrank füllen, dann Mägen füllen (falsche Reihenfolge, wir haben jetzt Essen für 3 Wochen und irre viel Osterschokolade für 50%), dann heim und ausräumen.
Die Kinder waren draussen unterwegs, ich röstete neues Granola (mit Ahornsirup und Pecannüssen) legte Butterchicken ein, legte getrocknete Wäsche zusammen, mass Fieber bei einem Ausschlagkind (gsd hat unser Kinderarzt morgen offen), knetete Pizzateig, wir assen alle gemeinsam mitgebrachten Kuchen und dann weihten der Hübsche und Little Q. das Putzzeug ein. Wie der Anleitungszettel sagte: "The car then would look like brand new". Ist jetzt nicht der allerschwierigste Task, aber hey. FOAM GUN!


Dann wie immer Freitag: Pizza, Rotwein, Bett.


*um 4:30h geschreckt: "phew, noch lang schlafen". Um 5:10h wieder: "so lang aber auch nicht mehr" um 5:20h: "doch, ich hab doch freigenommen." um 5:40h: "Wie geil, so lang ich will!", um 6:00h: "Jetzt müsste ich eigentlich raus.", um 6:10h: "Wie sicher bin ich mir, dass nicht?", um 6:30h: "doch, das war heute. Aber aufs Klo geh ich trotzdem." umd 7:20h: "Hey, Mann, Du hast heute aber nicht freigenommen? Aufstehen?"