Montag, Januar 15, 2018

Was schön war

Heute morgen haben wir Q. mitsamt allem Skiequipment zum Bus gebracht, der ihn und seine Kollegen für eine Woche ins Glarnerland zum Skifahren bringen sollte. Es war wunderschön, die Vorfreude zu sehen, die Aufregung auf diese hoffentlich wundervolle Woche. (Ich erinnere mich gerne an unser Skilager damals in der 7. Klasse. In Pflersch, wo unsere Schule ALLES gemacht hat, von Skifahren über Theaterspielen und Orchesterwoche). Ganz toll fand ich auch, dass der Schulleiter auch zum Abfahrtstreffpunkt gekommen war, um immerhin drei Klassen seiner Schule zu verabschieden (ich bin übrigens högscht beeindruckt: er kennt jedes einzelne der ca 600 Kinder an der Schule mit Namen. Und auch die zugehörigen Eltern. Oder nur uns, wer weiss das schon, aber das mit den Kindern ist echt so.)


Little L. vermisst seinen Bruder übrigens jetzt schon. "Sogar seine Volksreden, das hätte ich gar nicht gedacht!")


Es ist wieder Fastenwähenzeit! Das habe ich mit Freude heute beim Bäcker am Bahnhof festgestellt, als ich die Wegzehrung für Little L. (und seine Turnkollegin, die wir immer noch auf dem Heimweg mitnehmen) besorgt habe. Little L. hat sich auch sehr gefreut und die gibt es jetzt jeden Montag, bis Ostern oder so. Der Bäcker am Bahnhof ist eh super: es immer irre viel los, aber die Leute dort sind unglaublich freundlich. Heute, mitten in der Rushhour, lief dort "Bamboleo" und alle drei Verkäufer tanzten und pfiffen, während sie Brot und Kaffee verkauften. Kein Kunde ging ohne Lächeln!


Das haben die meisten dann übrigens auch in den Zug mitgenommen, da war nämlich irgendwie die Durchsage kaputt, mitten auf halber Strecke meinte sie nämlich: "Nächste Station: Basel SBB. Dieser Zug endet hier, bitte alles aussteigen." Und anstatt die Augen zu rollen, fingen alle an zu lachen und spannen skurrile Geschichten, wie das den jetzt gegangen ware. Raumzeitfalte oder was?


Heute hatte die kleine Schwester von Little L.s Freund bei Turnen geschnuppert und der Freund kam zum Abholen mit. Es war sehr süss, dass er dann nicht mit Mutter und Schwester mit dem Auto hochfahren wollte, sondern "Gell, ich darf dem L. hochlaufen, oder?" sich mit uns auf den Hatsch nach oben machte.


Und worauf ich mich jetzt noch sehr freue: ein Internettelefondate mit Irland.


Selbstbeweihräucherung: heute zwei Meetings kürzer als geplant hingekriegt, Minutes schon verschickt. Das ist wichtige, aber nervige Fleissarbeit, diese Dokumentiererei. Und dann habe ich, als sich abends rausstellte, dass jemand mich (absichtlich oder nicht) übergeht, direkt zwar angepisst geschrieben, dass ich das nicht toll finde und bitte in Zukunft dabei sein möchte, aber den blumigen Teil habe ich dann wieder gelöscht.

Sonntag, Januar 14, 2018

Mal wieder was Kulinarisches

Achtung, es mag sein, dass ich dieses Rezept schon mal gebloggt habe. Sehen Sie es mir nach, es ist halt wirklich lecker und wir machen (also: ich mache, wir alle essen) es seit vermutlich fast 20 Jahren. Die Bilder sind aber alle von heute, ich schwör.
Ursprünglich stammt das Rezept aus einem der Kochbücher, die ich nach meinem Auszug an einem Wühltisch beim Hugendubel gekauft habe, weil: kochen durfte ich daheim ja nicht und kochen nach Rezept war eh total verpönt.

 
Es sind:
 
Fenchel-Limetten-Spaghetti mit Knoblauchlachs aus dem Ofen
 
für 4 Personen*
 
4 Lachsfilets (a 125g, was halt so in TK-Lachs drin ist)
1 Knolle Fenchel
1 Knolle Knoblauch
2 Limetten, (Saft von beiden, von einer auch noch abgeriebene Schale)
500g Spaghetti (wer einen Pastamaker hat und gut drauf ist, macht grasgrüne Spinat-Linguine mit frischem Koriander drin)
Olivenöl
Salz
 

 
  • Man heize den Backofen MIT einer Auflaufform auf 250°C (oder so heiss, wie es halt geht) Ober-/Unterhitze vor und koche schon mal Salzwasser für die Nudeln auf.
  • Den Fenchel schneidet man, so fein es geht, in .. wie sagt man dazu? Halbkreise? Scheiben? und mariniert ihn mit der Hälfte des Limettensafts, etwas Salz und Olivenöl.
  • Die Knoblauchknolle zerteilt man in Zehen, häutet und halbiert diese.


  • Sobald der Ofen echt heiss ist, nimmt man die Form raus, giesst einen Schluck Olivenöl rein und legt die Lachsfilets rein (Achtung, spritzt!). Mit einem Backpinsel pinselt man sie auch oben drauf mit Olivenöl ein, verteilt die halbierten Knoblauchzehen drauf und streut etwas Salz drüber (ich nehme gern das Maldon Sea Salt, weil ich das Gefühl mag).


  • Dann schiebt man die Form wieder in den Ofen. ACHTUNG: Wenn Sie auch nur anatzweise so ticken wie ich, werden Sie sehr überrascht sein, aber die Form ist SAUHEISS! Unbedingt Handschuhe oder Topflappen benutzen.
  • Der Lachs braucht im Ofen genausolang wie die Spaghetti/Linguine, die Sie genau jetzt ins kochende Wasser geben.
  • Wenn die fertig sind, giessen Sie die ab und fangen einen kleinen Schluck Kochwasser auf.
  • Sie geben die Nudeln zurück in den Topf, vermengen Sie mit dem marinierten Fenchel und verteilen Sie auf vorgewärmte Pastateller.
  • Auf jeden Nudelteller setzen Sie nun ein Lachsfilet.
  • Den restlichen Limettensaft und eventuell etwas Nudelwasser giessen Sie in die Auflaufform, kratzen das Angebackene und evtl. Lachsreste ab und verteilen den Saft nun gleichmässig über die vier Portionen. ACHTUNG: die Auflaufform ist erstaunlicherweise schon wieder UNGLAUBLICH HEISS!
  • Noch schnell die Limettenschale drübergebröselt und je nach Gusto noch nachsalzen: fertig.


  • (Man kann es auch gut mit der doppelten Knoblauch- und Fenchelmenge essen, die einem von kleinen Händen von der Seite zugeschoben wird.)
 
 


Selbstbeweihräucherung: neben og Lachs gab es heute auch noch frischen Hefezopf zum Frühstück, frische Kekse und Waffeln zum Kaffee und bis auf Unterhosen und Socken sind ALLE Items, die Q. ins Skilager mitnimmt, mit Namensklebern versehen.
 
*von denen zwei den grössten Teil des Fenchels und einer allen, einer die Hälfte des Knoblauchs aussortiert und einer bin zwei immer fragen: "Lachs hat's keinen mehr?"

Samstag, Januar 13, 2018

Passivspocht und Steak

Heute war mal wieder Unihockey mit Fahrdienst, d.h. Q. und ich standen immerhin zu einer sehr christlichen Zeit am Bahnhof, sammelten noch einen Kollegen ein und fuhren weit, weit ins Hinterland in eine winzige, zugige Dorfturnhalle, wo die ersten beiden Spiele der Rückrunde stattfanden.
Sagen wir mal so: ich habe gegenüber gefühlt 18jährigen Trainern einer fremden Mannschaft die mittelalte Helikoptermum raushängen lassen und gemeint, dass sie sich zwar vermutlich supercool vorkommen, aber ich ihre Kommentare über mein Kind und seine Mannschaftskollegen übergriffig, verächtlich, unprofessionell, unreif und unsportlich finde und sie ihre Viehversteigerungsgespräche bitte ausserhalb der Hörweite der Eltern des Viehs, das gar nicht weiss, dass es versteigert wird, führen sollen. In Bayern hätte ich "Schleicht's eich, ihr zwoa aufgstejdn Mausdreck!" gesagt, aber ja nu.


Die zwei Stunden Pause zwischen den Spielen verbrachten wir bei tatsächlich einer Art ausgewogenem Mittagessen und .... ähnlicher Beschäftigung.












Das Schöne aber war, dass die Mannschaft und Q. im zweiten Spiel dann auf einmal doch der Ehrgeiz gepackt hat und sie wirklich, wirklich gekämpft haben. Und man kann sich ehrlich über ein 10:16 freuen.


Dann Heimfahrt durchs Hinterland, Blitzdusche und Dezimieren argentinischer Rinderherden im Nachbarort. Ich esse ja echt nicht viel Fleisch, aber das heute, das habe ich ehrlich genossen!



Freitag, Januar 12, 2018

#12von12 im Januar

Heute ist der 12., Bloggistan dokumentiert seinen Alltag in Fotos, die Liste findet sich bei Caro.


Ich habe das last minute vom Chef aufgedrückte Ziel "Unter 100 Überstunden kommen" durch knallhart durchgezogenen freie Freitage ja grad so (98.7 ist unter 100) erreicht, deswegen ist Freitag wieder Homeofficetag.



Das heisst, das verpflichtende "Erster Kaffee"-Bild ist gleichzeitig das "Sie sind eingeloggt"-Bild.




Später dann, als alle aus dem Haus sind, brauche ich irgendwann ein Znüni und freue mich, dass ich Datteln eingekauft habe. Dazu eine lustige Batterie an Getränken.




Das ist übrigens nicht soooo geschickt, weil oben unter dem Dach der Heizungstechniker unseren Boiler entkalkt (wir leben hier in der Gegend mit dem welthärtesten Wasser, er hat einen ca 30 L fassenden Eimer Kalk rausgeholt) und weil der Kaltwasserzulauf so verkalkt war, dass er sich nicht mehr schliessen liess, wurde das Wasser im ganzen Haus abgestellt, das heisst, die Menge an möglichen WC-Besuchen war limitiert.






Dann: Kinder kommen heim, es gibt wie fast jeden Freitag frische Nudeln aus dem Pasta Maker, heute Kräuter-Tagliatelle (Carbonara für die Kinder, Primavera für mich und das hat erstaunlich .. naja, langweilig geschmeckt. Wasser auf die Mühlen der Kinder, die am liebsten in Carbonara baden würden).


Little L. und ich treffen dann den Hübschen in der Schule zum Standortgespräch mit seiner Lehrerin.




Wir halten uns an alle Regeln.




Ich mag, wie die Garderobe vor den Klassenzimmer dekoriert ist. Fazit des Standortgesprächs: Little L. ist ein toller Junge, ein toller Schuler und wir werden nach diesem Schuljahr die wunderbare Lehrerin, die beiden Jungs den perfekten Schulstart  ermöglich hat, nach 6 Jahren sehr vermissen. (Sie uns auch. Hat sie gesagt. Und dass wir tolle Söhne haben, halt nicht 08/15. Tja.)


Daheim treffen wir Q. und meine Schwiegermutter, die ihren wegen urks leider ausgefallenen Weihnachtsbesuch dieses Wochenende nachholt. Gemeinsam holen wir in der Tierarztpraxis die Schachtel mit Dax' Asche ab, das Krematorium hat das sehr .... mir fällt kein gescheites Wort ein... geschmackvoll? würdevoll? gestaltet.






Wir geben die unangebrochenen Medikamente zurück, damit sie jemandem, für den eine Tierarztbehandlung eine grosse finanzielle Belastung bedeutet, zugute kommen, danach fahren wir gemeinsam in das Katzenheim des Tierschutzverbands im Nachbardorf und geben unsere Futter"reste" (unter anderem hatten wir noch ein unangebrochenes Futterpaket mit 12bisschenwas Kilo Nierenfutter, das Dax ja irgendwann mit dem A... nicht mehr angeschaut hat.) und die restlichen Pakete Katzenstreu dort abgegeben. Ich habe den Kindern eingebläut, dass wir uns auf gar keinen Fall direkt verlieben werden, sondern nur mal schauen, wie die Katzen dort so leben. Es ist echt schön, wie viele da friedlich zusammenleben!








Daheim: Kaffee, Kuchen, Norwegenfotos schauen, Pizza essen, Wochenende.

Donnerstag, Januar 11, 2018

Work-life-balance, Lesen, Lernen und ein Trick

Ich habe entgegen meiner nicht ganz so ehernen Regeln gegen aus dem Ruder laufende Work-Life-Balance gestern abend um 11 aus Gründen* noch ein Email an einen mittelgrossen, recht wichtigen Verteiler geschickt. Das war insofern recht geschickt, weil bei der einen Hälfte des Verteilers der Zeitpunkt der Mail den Inhalt dann doch in den Schatten stellte ("When I received your email last NIGHT, I was afraid, something really  blew up!"), die andere Hälfte hatte von einem anderen Projekt praktischerweise noch blödere Nachrichten bekommen, so dass meine relativiert wurden. Glück gehabt!


Auf dem Weg zur Arbeit habe ich in meinem aktuellen Buch (Affiliatelink) leise (sic!) schmunzelnd einen Absatz über einen Uber-Tesla gelesen.



Zum dritten Mal in relativ kurzer Zeit übrigens (also: nicht immer Uber, aber halt über (höhö) Tesla), nämlich noch hier (Affiliatelink) und irgendein anderer, ansonsten echt belangloser Thriller, in dem aber das Wort "Telsajüngling" vorkam, das das Verkaufspersonal halt schon sehr gut beschreibt.


Dann war ich heute morgen also bei einem Info Meeting, das mich ein bisschen zurückkatapultierte in meine Zeit in der Entwicklung damals, da wurde ich fast ein wenig nostalgisch (und bin eigentlich recht froh, dass ich mich mittlerweile mit anderen Dingen beschäftige), wozu sicher auch die Umgebung beitrug: ein kleiner schratteliger Hörsaal, der vermutlich bei allen Renovierungen seit 1970 vergessen wurde, weil er in der hintersten Ecke auf einem Halbstock ist. Kaum zu glauben, dass es sowas auf unserem cleanen, weiss-glas-geölter Eichenboden-Areal überhaupt gibt.


Mein jobbedingtes Deetektivspielen kommt auf einen neuen Level: es geht um physisch in Bergwerksstollen oder aufgelassenen Armeebunkern archivierte Dokumente in den USA. Ich brauch die und ich bin sehr gespannt, wie ich die bekomme. Einen Scan? Einen Container vo unsortierter Schachteln voller Ordner und Papier? Die Koordinaten für den Treffpunkt, wo mir die Augen verbunden warden und ich in einem Militärjeep zu dem gut getarnten Eingang des Stollens gebracht werde und dann selber suchen darf?


Mittagessen war dann mal wieder interessant, es gab was, was es noch nie gegeben hatte, nämlich Rote-BeeteKartoffel-Taler mit Lauch (Lauch, my love!) und Salat. Ich habe ja bisher noch KEINE Art Rote-Beete-Zubereitung gefunden, die ich mag (danke, ich brauche auch keine Tipps, ich muss nicht alles mögen), aber das hat wirklich gut geschmeckt, nicht nur wegen des Lauchs. Vong Aussehen her allerdings eher wie Taler aus gehacktem rohem Herz oder Lunge. Schwierig. Vielleicht eher was für ein Halloweenbuffet.


Am Nachmittag dann wurde ich in meinem eigentlichen Büro mit "Da isses ja, unser Stockwerksünneli" begrüsst und das klingt ja mal netter als Klassenclown.


Weiterwerkeln, merken, dass das kanadische Wetter Einfluss auf unseren Produktionsplan hat, der mitreisende Kollege hat uns einen Limousinentransfer vom Flughafen zum Hotel in Hyderabad organisiert und weil Little Q. grad "How I met your mother" anschaut, musste ich sofort an Ranjit denken, dann habe ich brutal krass genetzwerkt und mir einen neuen Kontakt im Site Engineering aufgetan, weil ich Hintergrundinfos über Conical Screw Dryer (Doppelkonusschneckentrockner) brauchte, dafür wurde ich dann aus spontanem Interesse über "Wie geht eigentlich so ein Tech Transfer?" ausgefragt, und das war dann echt cool: 15 Minuten im 29. Stock und zwei Leute haben was gelernt.


Selbstbeweihräucherung: Ich bin ja noch ein bisschen stolz auf eine, wie ich finde, ganz schön gute Idee von mir: Wie Sie wissen, bestelle ich ja das eine oder andere bei Amazon. Und ich bin noch nicht 100% hinter die Versandkosten (nicht nur in die Schweiz, das ist ja eh eher so Willkür) gestiegen, weil ganz oft steht da: "Qualifiziert für kostenlosen Versand" und dann bestellt man das und es kostet, keine Ahnung, 4.51€ Versand. Bevor Sie jetzt alle lossausen und mir die entsprechende Stelle in den AGBs oder wo auch immer raussuchen  lassen Sie es gut sein, ich habe den perfekten Trick (Hack, wie man ja heute sagt) rausgefunden: Bücher sind nämlich immer versandkostenfrei und auch alles (jajajaja, ich weiss, Sie kennen bestimmt eine Ausnahme, aber das muss ich nicht wissen), was damit zusammen bestellt wird. Weil ich ja bis auf Reiseführer und Kochbücher keine Bücher mehr für mich und uns kaufe, weil wir alle wegen "Wo soll das denn alles hin?" praktisch nur noch Kindle lesen, war das bisher auch nicht die perfekte Lösung, bis ich von diesem Buch (Affiliatelink) erfuhr. Ich habe es mir selber zum Geburtstag gewünscht und finde es richtig toll! Und ich habe beschlossen, dass jedes Mädchen, bei dem die Jungs im nächsten Jahr zum Geburtstag eingeladen sind, das geschenkt bekommt. Und weil grad keine Einladung vorlag, als ich dringend die neuen Flaschennupsis für die Trinkflaschen und die neuen Sodaclub-Flaschen bestellen musste, habe ich es mal auf Vorrat mit bestellt. Zwei Tage später kam die Einladung zur Party von Little L.s Schonseitimmer-Freundin, und wer ist jetzt gut vorbereitet? Genau.




* Der Inhalt sind nicht wirklich gute Nachrichten, bei denen wir uns gestern nachmittag auf eine Kommunikationsstrategie geeinigt hatten, die jedoch dann von einem Chef  gestern nach zmindest einem Dienstschluss direkt nach ganz oben weitergegeben wurden. Ich wollte auf gar keinen Fall, dass der Verteilerkreis ohne Hintergrundinfo und gefühlt kalt erwischt via Flurfunk davon erfährt oder aber beim Oberstchef zum Rapport antraben muss. Auf der anderen Seite hatte ich heute morgen ein sehr frühes Meeting und je nach Stau war ich mir nicht sicher, dass ich es noch vorher schaffen würde, die Email rauszuschicken. Also: Abends.

Mittwoch, Januar 10, 2018

Die Sache mit dem Joghurt

Das zauberhafte Fräulein Read on hat heute einen sehr wahren Satz über Joghurt getwittert:



Und auch wenn es kein Buch wird, hier habe ich für das Fräulein meine persönliche Joghurt im Rucksack-Geschichte:


Wie Sie ja alle wissen, habe ich mit 20 einen Teil meines Herzens in oder eigentlich an Südkalifornien, also San Diego verloren. Ich habe den verlinkten Blogpost extra noch mal durchgelesen, aber phew, den Teil, um den es heute ansatzweise geht, habe ich da lapidar mit dem Satz "Ich habe mir eine Wohnung im Surferviertel Pacific Beach organisiert" beschrieben. Nicht, dass ich hier olle Kamellen wieder aufwärme.
Also. Ich war damals (und diesen Satz wiederholen Sie bitte in Gedanken, wenn Sie in der Folge mit den Augen rollen!) jung und naiv, also gerade mal 20, das erste Mal ganz allein (also auch ohne Freunde) total selbst organisiert für länger weg von daheim und das dann gleich auf der anderen Seite der Erde. Und es war 1997.
Ich hatte mir den Praktikumsplatz organisiert, mein Chef hat mir angeboten, für den Anfang bei ihnen zu Hause zu wohnen und dann würde ich da sicher schnell was finden, Unistadt, Sommerferien, da sollte einiges leerstehen, das würde dann schon klappen, und in diesen Vierteln hier, da könnte ich ja mal suchen.
Ich schlief also eine Nacht im Zimmer des mittleren Sohnes, am nächsten Tag lieh ich mir das Rennrad vom Chef, besorgte mir einen Stadtplan von San Diego, kringelte mir die Gebiete ein, die mir als "Da wohnen viele Studenten, da findeste was!" ein, die Frau vom Chef drückte mir wie den Kindern auch eine Flasche Wasser, eine Banane, ein Erdnussbuttersandwich und einen .... Joghurt (Vanille) in die Hand, die ich leicht gerührt in meinen karierten Espritrucksack packte. Mit der Zeitung mit den Kleinanzeigen, meinem Geldbeutel mit den Ausweisen, dem Bestätigungsschreiben, dass ich für drei Monate am Salk Institute im Dienste der Wissenschaft arbeiten würde, und dem Stadtplan. So gerüstet, radelte ich los, in Richtung erster Kringel.
Die erste Überraschung (und jetzt ware die Zeit, an den Satz von vorher zu denken) war, dass San Diego überhaupt nicht so flach ist wie auf dem Stadtplan, sondern unglaublich bergig. Und heiss. (Sonnencreme hatte ich btw nicht dabei, dafür ab Tag 1 in San Diego ein Muster von dn Sandalenriemen auf dem Fussrücken). Radwege gab es dafür überall, allerdings (s. heiss und bergig und halt USA) war ich die einzige Person, die diese nutzte (vielleicht wäre es zu einer nicht ganz so glutheissen Tages- oder Jahreszeit anders gewesen). Die Wasserflasche war nach einer halben Stunde leer und mein erster Stop war ganz oben in einem 7/11 an der Mt-Everest-Road, wo ich zum ersten Mal in meinem Leben (dafür aber gleich eine halbe Gallone) hellblaue Gatorade einkaufte. Den ersten Liter trank ich direkt auf ex, den Rest packte ich in den Rucksack (ich nehme an, Sie merken wo das hinführt), dann stürzte ich mich den Hügel mit dem Rennrad wieder runter, auf der anderen Seite wieder rauf und ich war im Universitätsviertel und fing an, die Appartmentkomplexe abzuklappern, die Schilder draussen stehen hatten.


Der erste war .... högscht beeindruckend. Ich betrat eine Art Rezeptionsgebäude in einer Art Parkanlage (und kam mir trotz allem SoCal-Take-it-easy mit meiner roten, verschwitzten, verbrannten Radlbirne ganz schön fehl am Platz vor), wurde von einer superfreundlichen Dame über die freien Wohnungen und die Preise (Aaaaaaaaalter!) aufgeklärt, dann in einem Golfwägelchen zu einem Musterbungalow gefahren (ich wusste da schon ziemlich genau, dass das jenseits meiner finanziellen Möglichkeiten liegen würde, aber gesehen haben wollte ich es dann doch), dann wieder zurück, und durfte dann so eine Art Application Form ausfüllen und damit alles seine Richtigkeit hat, hätten sie dann gern noch meinen Ausweis kopiert. Ich griff also in meinen Rucksack, um den Geldbeutel herauszufischen, der unter der halben Gallone lauwarmer, hellblauer Gatorade lag, und griff ungebremst (Achtung: erinnern Sie sich nochmal an den Satz von oben!) in einen lauwarmen, stückigen Brei aus Joghurt (Vanille) und Banane, der sich im ganzen Rucksack und auch IM Geldbeutel verteilt hatte. Ich bin im Nachhinein immer noch stolz auf mich, dass ich (ich war einfach so kaput und wusste eh, dass ich da nicht wohnen würde) stoisch und mit ungerührtem Gesicht den schmierigen, triefenden Geldbeutel mit einem schmatzenden Geräusch aus dem Rucksack zog, ihn aufklappte, den Personalausweiss voll Joghurt (Vanille)-Bananenmatsch herausprokelte, mir ein paar der ubiquitären Kleenextücher nahm, ihn abwischte und meinte: "Here you go!". Mindestens genauso cool war die Rezeptionsfrau, die den leicht klebrigen, nach Banane (und säuerlicher Vanille) riechenden Ausweis nahm, kopierte und meinte: "Thanks a lot, we will be in touch."
We were not, aber das machte nix. Der Tag hatte dann übrigens doch noch etwas Schönes zu bieten, das einzige, das nämlich nicht mit Joghurt versaut worden war, war das Erdnussbuttersandwich, das in so einem Ziplockbeutel verpackt war. Das zusammen mit der lauwarmen Gatorade (hellblau) hat dann meine Lebensgeister wieder geweckt. (Und seitdem packe ich Joghurtbecher zum Transport in Ziploc-Beutel.)




Selbstbeweihräucherung: ich war heute richtig gut in meinem Job (THE expert for all technical aspects of the API manufacturing process for the assigned products, wie es so schön in meinem Stellenbeschrieb heisst).


Dienstag, Januar 09, 2018

Holperstolper

Das war, mit Verlaub gesagt, ein echter Scheisstag gestern.
Wobei, das wird dem Ganzen nicht gerecht, es war schlimm, sich eingestehen zu müssen, dass es jetzt Zeit ist. Und zwar schnell. Das war sehr, sehr traurig (Mitten in der Nacht wollte Dax raus, also in den Garten. Wir haben ihr die Tür aufgemacht, wie weit sollte sie schon kommen, sie war ja so schwach und auch zu besten Zeiten sass sie am liebsten im Garten und hat Vögel, Schmetterlinge und Nachbarskatzen, die sich in IHR REVIER gewagt haben, sehr streng und gefährlich angeschaut. Nun ja, gestern stiefelte sie sehr zielstrebig los, über die Wiese, auf den Weg, links abgebogen, da zogen der Hübsche und ich hektisch Schuhe an und rannten ihr im Pyjama hinterher, und das arme Häufchen, das nur noch knapp drei Kilo wog, wanderte da einfach in die Dunkelheit davon. Das brach uns praktisch das Herz. Und nein, wir haben sie natürlich nicht laufen lassen und gut is, Elefanten machen das auch so oder waren das Inuit oder die amerikanischen Ureinwohner?, sondern zurück geholt. Aaaaah, ich bin abgeschweift), dann haben wir nachts um drei heulend die Logistik drumrum diskutiert (Kinder dabei? Begraben? Einäschern? Asche begraben?), während die Katze entweder zwischen uns kuschelte oder eben unruhig durchs Haus stromerte. Morgens mussten wir den Kindern Bescheid sagen, die Logistik ("Hallo Chef, frohes neues Jahr, ich komme heute nicht, ich muss meine Katze einschläfern lassen", "Liebe Lehrer, wenn unsere Kinder heute seltsam sind, liegt es nicht an zu viel Schokolade und Lego über Weihnachten." "Liebe Freundeeltern, unsere Kinder sind sehr traurig und wollen Euren Kindern nicht erklären müssen, warum", "Liebe Tierärztin, wir brauchen Sie. Heute. ASAP. Bitte.") organisieren, und dann mit der Katze warten. Das war schwer. Der eigentliche Tierarztbesuch dan schon auch, aber nicht so schlimm wie befürchtet. Die Leute dort kennen die Katze seit über 10 Jahren und sowohl die Ärztin als auch die Helferin hatten Tränen in den Augen. Der Hübsche hat danach gesagt "Vielen Dank. Sowas ist nie schön, aber das hier war so nah dran, wie es geht." und das trifft es ganz gut.


Und jetzt? Klar sind wir traurig. Sehr. Ich habe beim Heimkommen die leere Transportkiste aufs Bett gestellt und als erstes gedacht "Oh Mist, hoffentlich lag die Dax nicht unter der Decke". Der Hübsche fragte am Abend "Hast Du der Dax schon was zu fressen gemacht?", heute, als ich die erste Trocknerladung seither rausnahm (all ihre Lieblingsdecken), erwartete ich beim Trepperuntergehen mit Wäschekorb jeden Moment ein fordernd maunzendes Fellknäuel zwischen den Beinen, das in den Korb möchte.


Aber, und das hätte ich nicht zu träumen gewagt, es ist okay. Es ist viel okayer, als ich gedacht hätte Wir haben seit Wochen oder eigentlich Monaten damit gerechnet und das hat mich anscheinend mehr belastet, als ich währenddessen gemerkt habe. Jetzt haben wir (alle fünf) das Schlimmste überstanden und ab jetzt müssen wir uns keine Sorgen mehr machen, dass sie vielleicht leidet und dass wir irgendwann diese Entscheidung treffen müssen.


Skurrile Nebengeschichte: ich kam ja dementsprechend einen Tag später wieder ins Büro als geplant. Mein Chef und meine zwei Büroplatznachbarn wussten Bescheid, ich hatte allerdings den Plan, dem Rest der Crew das nicht alles en detail auf die Nase zu binden, weil .... primär weil ich mir nicht sicher bin, dass ich die Geschichte ohne Heulen erzählen kann und das mag ich bei der Arbeit nicht. Also bin ich heute morgen ins Büro, der Oberchef und die Assistentin waren schon da, ich meinte so "Good morning, happy new year" und wanderte zu meinem Büroplatz. 10 Sekunden später stand der Oberchef neben mir und fragte, was er falsch gemacht habe, weil ich wäre ja "Not very friendly" gewesen. "Hm? I am always friendly?!" "Yes, usually you are! But today, you know, the first time we see each other, normally I would expect a cheerful story on how the Christmas tree caught fire, but you kind of almost brushed me off!" Das hat man davon, wenn man die Rolle des Klassenclowns kultiviert. Und für den Rest des Tages hatte ich dann eine launige Geschichte, warum die Weihnachtspause nur so okay-ish war parat: "Kühlschrank kaputt, Besuch krank, Weihnachtspakete verloren, Backofen kaputt, kein gescheiter Schnee, aber immerhin wars die Hecke der Nachbarn, die Silvester gebrannt hat." Und ich fand es rührend, dass mein direkter Chef kurz vor dem Groupmeeting meinte: "Du, ich hab mich umgehört, unsere Nachbarin hat kürzlich zwei junge Katzen im Strassengraben gefunden und sucht einen Platz, das ware doch was für dich, oder?" *


Sonst: Ich habe meinem Vorweihnachts-ich sehr froh auf die Schulter geklopft, als ich kurz vor Besprechung mit Experten an meinen Schreibtisch hetzte und die Unterlagen, die ich dafür brauchte, ordentlich abgeheftet und markiert in einem frischen Ordner vorfand.


Selbstbeweihräucherung: bei der Arbeit nicht geheult. Vom Experten ein dickes Lob für meine Vorbereitung, meine Detektivfähigkeiten und meine Einschätzung bekommen. Dazu noch ein paar Schulungsmaterialien in Papierform und dieses Video für die Überzeugung von Zweiflern in Indien. Langsam fühle ich mich gewappnet.














*Wärs nicht. Nicht jetzt. Irgendwann. In nicht allzu ferner Zukunft. Aber nicht jetzt.